„Anpacken für Ladbergen“
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„Anpacken“ für Ladbergen





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Die Entwicklung der SPD in Ladbergen


Von der Gründung der Partei bis zum Ende des I. Weltkrieges


Die Erfindung der Dampfmaschine eröffnete im 19. Jahrhundert die Möglichkeit, Waren massenweise und billig herzustellen. Das führte auch in Deutschland zum Verlust von Arbeitsplätzen und zur Verelendung der Arbeiterschaft. In Schlesien erhoben sich die Weber, indem sie sich gegen die ihre Existenz bedrohenden Textilfabriken wandten.


Infolge dieser Entwicklung kam es 1863 zur Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, der die Interessen der Arbeitnehmer vertreten wollte, und 1869 entstand die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SAP). Sie wurde von Bismarck verboten und verfolgt (Sozialistengesetze). Trotzdem erlebte sie einen Zuwachs an Mitgliedern und Wählerstimmen.


1890 kam es zur Neugründung der Partei, die sich von da an Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) nannte. 1912 - kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges - stellte sie die stärkste Partei im Reichstag.


In dieser Zeit war in Ladbergen noch kaum die Rede von der SPD. Allerdings erfahren wir aus den Aufzeichnungen des damaligen Ladberger Amtsbeigeordneten Friedrich Schoppenhorst, dass er einen sozialdemokratischen Tischler beschäftigte. Es handelte sich dabei nicht um einen Ladberger, denn diese wagten es zu der Zeit kaum, sich öffentlich zu dieser Partei zu bekennen.


Wie es um das Ansehen der SPD bei der bäuerlichen Bevölkerung in Ladbergen stand, erfahren wir aus einer anderen Begebenheit. Einem Kurzwarenhändler, der einen Bauernhof aufsuchte und sich negativ über den Kaiser geäußert hatte, wurde Hausverbot erteilt, weil es sich bei ihm wohl, so meinte man,  nur um einen Sozialdemokraten handeln könne.


Über  das  Wahlverhalten  der  Ladberger  Bevölkerung  in  der  Kaiserzeit (bis 1918) liegen - soweit es die SPD betrifft - in den Archiven und alten Zeitungen keine konkreten Aussagen vor.


Gewählt wurde bis 1919 nach dem sog. Dreiklassenwahlrecht, wonach der Wähler seine Stimmen bzw. Stimmen entsprechend der Höhe seiner gezahlten Steuern abgeben konnte. Frauen besaßen kein Wahlrecht.



Die Weimarer Zeit


Das Wahlrecht wurde 1919 durch die Weimarer Parteien geändert. Bei der Wahl zur Nationalversammlung im Jahre 1920 erreichte die SPD in Ladbergen 159 Stimmen und war damit nach der DVP (Deutsche Demokratische Partei)  zweitstärkste Kraft.


Bei Beginn der Weltwirtschaftskrise (1930) erhielt sie noch 120 Stimmen. Dieser Stimmenanteil halbierte sich bis 1933, während Kommunisten und Nationalsozialisten stark zulegen konnten.


Die Zahl der SPD-Stimmen bei den Landtags- und Kreistagswahlen lag in den zwanziger Jahren in Ladbergen zwischen 100 und 200.  Im Jahre 1921 wurde sogar der in Ladbergen wohnende und aus Emsdetten stammende Steinmetz und Bildhauer A. Lamkemeyer für die SPD in den Kreistag Tecklenburg gewählt. Er arbeitete bei dem Steinmetzen und Bildhauer Karl Fiedler und war Dirigent des Männergesangvereins Ladbergen.


Bei den Gemeindewahlen gab es keine Parteilisten im heutigen Stil. 1929 wurden zum Beispiel dem Ladberger Wähler vier Wahlvorschläge präsentiert.


    Liste I :   Handwerk, Landwirtschaft, Handel und Gewerbe (157 Stimmen, 2 Mandate)

    Liste II : Vereinigte Eigentümer, Heuerleute Arbeiter usw. (157 Stimmen, 2 Mandate)

    Liste III: Vereinigte Grundeigentümer (339 Stimmen, 5 Mandate)

    Liste IV: Heuerlingsbund (60 Stimmen, 1 Mandat)


Eine größere Rolle spielte in der Weimarer Zeit (1919 – 1933) das auf Initiative der SPD 1924 in ganz Deutschland gegründete „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“. Unterstützt vom „Zentrum“ und der „Deutschen Demokratischen Partei“ (DDP) war es ein wehrhafter Bund zum Schutz der parlamentarischen Demokratie und damit Gegner des Adels, der NSDAP und der KPD.


Es wird berichtet, dass das „Reichs-banner“ in Ladbergen, wo es wohl schon seit 1920 existierte,  zahlreiche Mit-glieder hatte und einen Schützenverein organisierte mit eigenem Scheibenstand, der sich zwischen der heutigen Schiller- und der Lessingstraße befand. Der Verein verfügte sogar über zwei Böller, die sich noch heute im Heimat-museum befinden. Einen militärischen Wert hatten die Böller allerdings nicht. Sie wurden bei Festlichkeiten eingesetzt.










Bei den politischen Versammlungen in den Ladberger Sälen – so berichten Zeitzeugen - soll es damals ab und zu auch zu hitzigen Auseinandersetzungen gekommen sein, wobei sogar mit Stuhlbeinen argumentiert wurde.



Das dritte Reich


Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 fand am 12. März 1933 die letzte Wahl statt, bei der noch andere Parteien zugelassen waren.


Die SPD erreichte bei dieser Reichstagswahl in Ladbergen noch 69 Stimmen, während die NSDAP 1.064 erhielt. Seit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise (1930) hatte die NSDAP ihren Stimmenanteil in Ladbergen etwa vervierfacht. Bei der gleichzeitig stattfindenden Kreistagswahl erhielt die SPD noch 132 und die NSDAP nur 650 Stimmen.


Auch eine Gemeindewahl fand an dem Tage statt. Dabei erreichte der Wahlvorschlag „Landwirtschaftliche Vereinigung Hölter“ mit 257 Stimmen vor der NSDAP mit 207 Stimmen den ersten Platz. Die Westeraner, die sich insbesondere in der Schulpolitik  der Gemeinde benachteiligt sahen, traten auch mit einer eigenen Liste „Einigkeit Wester“ an und erreichten 147 Stimmen. Der Wahlvorschlag „Steuersenkung“ erhielt hingegen nur 59 Stimmen.


Über Wahlen in der Zeit bis 1945 zu berichten erübrigt sich insofern, da die NSDAP alle anderen Parteien verboten hatte.


Zeitzeugen haben auch von Verfolgungen und Bedrohungen einiger Sozialdemokraten, Reichsbannermitgliedern und anderer Personen  berichtet, auch von vorübergehenden Festnahmen. Eine Einlieferung von Ladberger Bürgern in ein KZ ist nicht bekannt geworden.


Die abgedruckte Pressemitteilung aus dem Jahre 1933 zeigt sehr deutlich, wie die neuen Machthaber vorzugehen gedachten. Die SA, Hitlers Sturmabteilung, enteignete z. B. kurzerhand den Scheibenstand des Reichsbanners, was einen klaren Rechtsbruch darstellte.










Die dem NSDAP-Regime kritisch gegenüberstehenden Bürger hielten sich allerdings aus Angst mit Meinungsäußerungen sehr zurück, auch sogar vor ihren Kindern.


Bis heute hält sich das Gerücht, dass bei Führungskräften der Ladberger NSDAP eine Liste mit unliebsamen Personen existiert habe, die bei einem „Endsieg“ aus dem Verkehr gezogen werden  sollten.



Die Zeit nach dem II. Weltkrieg


Nach dem II. Weltkrieg war auch für die SPD 1945 in Ladbergen der Neuanfang schwer.


Ein eigener Ortsverein hatte  zwar vor 1933 nicht bestanden, aber es gelang einigen engagierten Mitgliedern - hier ist besonders Rudi Bittner zu nennen - für die Kommunalwahl 1952 Kandidaten aufzustellen. Mit einem Stimmenanteil von fast 11 Prozent (= zwei Ratsmitglieder), war der Einstieg geschafft.


Einen Durchbruch gab es bei der Gemeindewahl 1961, als die SPD mit mehreren neuen Kandidaten 34 Prozent der Wählerstimmen erzielte. Ein eigener Ortsverein wurde gegründet und die Zahl der Mitglieder stieg bald auf über 50 an.


Das Wahlergebnis von 1961 wurde 1964 mit einem Stimmenanteil von über 40 Prozent noch übertroffen, ein Ergebnis, das bis heute meistens gehalten werden konnte, wobei die Sozialdemokraten aus den letzten acht Gemeindewahlen fünf Mal als stärkste Partei hervorgingen. Von 1989 bis 1999 stellte die SPD zum ersten Mal mit Willi Untiet in Ladbergen den Bürgermeister. Er war bis dahin Vorsitzender und Fraktionssprecher gewesen.


Zwei Wahlperioden gehörte er auch dem Kreistag in Tecklenburg an, davon zwei Jahre als stellvertretender Landrat und nach der Gebietsreform von 1975 war er noch acht Jahre Kreistagsmitglied in Steinfurt. Ihm folgte Gitta Martin in den Kreistag. Zum Ortsvereins-vorsitzenden wurde 1990 Hans Joachim Hartmann gewählt.


Stellvertretender Bürgermeister war von 1984 bis 1989  Horst Kisker, der das Amt auch seit 1999 innehat. Fraktionssprecher ist seit 1989 Hans-Dieter Brönstrup.


Die Wahlergebnisse der SPD bei den Bundestagswahlen lagen meistens noch über denen der Kommunalwahlen. Sie stiegen bis 1969 von etwa 20 auf 37 Prozent. Von 1969 an lagen die Ergebnisse jeweils zwischen 40 und 50 Prozent.


Der bundesweite Aufwärtstrend der SPD führte dazu, dass sie mit Willy Brandt, Helmut Schmidt und Gerhard Schroeder drei Mal den Bundeskanzler und mit Gustav Heinemann und Johannes Rau zwei Mal den Bundespräsidenten stellen konnte.


Am Beispiel der Gemeinde Ladbergen zeigt sich auch die Entwicklung der SPD in den letzten 100 Jahren von einer Klassenkampfpartei zur Volkspartei.